Die Welt
Die Story spielt sich vollständig in einem kleinen, kreisrunden Raum ab, der sowohl die Wohnung, als auch den Arbeitsplatz von Linea darstellt. Dieser Raum befindet sich im Zentrum des Panopticons, einem gläsernen Gefängnis im Weltall, von dem aus Linea alle Gefangenen ständig überwacht. Linea ist die Einzige, die von niemandem gesehen oder gehört werden kann, denn einzig und allein ihr Aufenthaltsraum ist von allen anderen abgeschottet, um ihr Sicherheit und Privatsphäre zu gewährleisten. Lineas hauptsächlicher Gesprächspartner ist das Computersystem Alexa, die gern für einen witzigen Spruch zu haben ist und mitunter sehr menschlich wirkt.
Erster Abschnitt
»WIR SIND GÖTTER!«, schrie er und breitete die Arme zu beiden Seiten aus. »GÖTTER EINER NEUEN WELT! Und DAS ist unser Licht der Schöpfung!« Sein Gelächter hallte schrill und bedrohlich durch die elektrisierte Luft. Er war ein Schatten – eine dunkle Gestalt vor einem gleißenden, grünen Licht. In Linea stieg Panik auf. Wie ein Strom aus eiskaltem Wasser pulsierte sie durch ihr Herz und schnürte ihr die Luftröhre zu.
Die Story
Linea hat nur noch 19 Tage, bis ihr Dienst im Panopticon beendet ist und sie zur Erde zurückkehren kann. In den letzten sechs Monaten gab es keine Auffälligkeiten, keine Probleme. Doch mit einem Mal wandelt sich der trügerische Frieden. Die Häftlinge scheinen sie ganz genau zu beobachten, obwohl das eigentlich gar nicht möglich sein sollte, obwohl Linea diejenige sein sollte, die beobachtet. Doch die Gefangenen scheinen Linea durch die Überwachungskameras direkt in die Augen zu blicken. Die seltsamen Ereignisse beginnen sich zu häufen und Linea wird klar, dass irgendetwas nicht stimmt. Wieso können die Insassen sie plötzlich sehen? Wieso können sie sogar hören, was sie sagt, obwohl die Lautsprecher abgeschaltet sind? Oder können sie es doch nicht? Linea bemerkt, dass einige Insassen Anzeichen der Weltraumkrankheit Sens zeigen, welche Menschen, die sich zu lange im All aufhalten, mit der Zeit verrückt werden lässt. Vielleicht ist diese Krankheit der Grund für das merkwürdige Verhalten der Insassen? Oder ist gar Linea diejenige, die unter Sens leidet? Bildet sie sich alles vielleicht nur ein? Doch vielleicht spielt auch das Computersystem Alexa mit Linea ein fieses Spiel, welches sich zuspitzt, als Alexa von ihr verlangt, ein fragwürdiges Medikament zur Beruhigung einzunehmen. Was hat der Computer vor? In diesem Buch ist nichts so, wie es scheint … oder doch?
Auszug
Immer noch glotzten diese leblosen Augen in die Kamera und schienen direkt in sie hineinzublicken. Er konnte sie unmöglich sehen. Linea wusste das. Dennoch fühlte sie sich beobachtet. Unangenehm, nicht wahr?, schrien diese Augen ihr entgegen.
Spannende Stellen wie diese lassen einem beim Lesen immer wieder das Blut in den Adern gefrieren.
»Setze Matthew Charles Bennet – Zelle R drei – auf die primäre Beobachtungsliste.«
»Verstanden«, hallte eine hypnotische Frauenstimme aus dem Nichts.
»Darf ich fragen, mit welcher Begründung?«
»Ich finde ihn gruselig.«
»Wenn ich dich daran erinnern darf: ›Ich finde ihn gruselig‹«, spulte der Computer eine Tonaufnahme von Lineas eigener Stimme ab, »ist kein adäquates Verdachtsmoment. Was darf ich stattdessen vermerken?«
Solche Gespräche führt Linea häufiger mit dem Computer Alexa, was regelmäßig zur Belustigung beiträgt und die Spannung ein wenig auflockert. Das ist auch nötig, da man als Leser sonst möglicherweise keinen einzigen Moment zum Durchatmen finden würde.
Erzählperspektive
Der Leser erlebt die Story durchweg aus Lineas Perspektive, wenn auch in der 3. Person. Man weiß nur was Linea weiß, glaubt, was sie glaubt und hat Angst vor dem, wovor auch sie sich fürchtet.
Fazit
Nicht nur, dass man bereits in den ersten Zeilen von einer Spannung gepackt wird, die einen bis zum letzten Wort nicht mehr loslässt, der Schreibstil von Daniela Rohr ist zusätzlich ganz wunderbar malerisch. Sie beschreibt alles ganz genau, bindet diese Beschreibungen aber so geschickt in das Geschehen ein, dass man sie kaum bemerkt, oder sie gar als störend oder langatmig empfinden könnte. Witzige Sprüche, vor allem von dem Computer Alexa, lockern die Spannung zwischendurch immer wieder auf. Als Leser beginnt man selbst zu straucheln, weiß nicht mehr, was Real ist und was nicht. Man erlebt die Gefühle von Linea und ihre Unsicherheit selbst. Das ist von der Autorin so gewollt und auch bestens gelungen. Hier ist der Mix aus Spannung, Witz und Schreibstil perfekt gelungen. Nicht umsonst wurden vor kurzem die Filmrechte zu diesem Buch verkauft!
Die Rezension hat euch neugierig gemacht? Dann holt euch gleich hier das Buch! 🙂
