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Jill Noll Autorin: Erster Testleser & erste Kritik (Bild-Quelle: Pixabay)

#5 Der erste Testleser & die erste Kritik

In meinen letzten beiden Beiträgen ging es um die Schneeflockenmethode und das 7-Punkte-System, zwei Methoden, die ich beim Schreiben meines Buchs bewusst und unbewusst angewandt habe. Das Schreiben von „Zwischenwelt“ ging also voran. Als ich das erste Kapitel zu Papier gebracht hatte, gab ich es sofort meinem ersten Testleser, da ich unbedingt wissen wollte, wie die Geschichte ankommt. Und genau darum geht es in diesem Beitrag.

Ich kann mich glücklich schätzen, mehrere sehr gute Freundinnen zu haben, denen mein absolutes Vertrauen zu Teil ist. Zwischen diesen Freundinnen will und kann ich keine Abstufungen machen, so dass ich jede Einzelne von ihnen als meine beste Freundin bezeichnen würde ?.

Nicole ist eine dieser Freundinnen. Und sie ist diejenige, die mit Abstand am meisten liest. Eigentlich kenne ich überhaupt keinen Menschen, der so viel liest wie sie ?. Habt ihr schon mal von dem SuB (Stapel ungelesener Bücher) gehört? Sicher habt ihr zu Hause – oder auf eurem eBook-Reader – auch so einen. Aber bei Nicole ist das anders. Sie hat ein ganzes Bücherregal voller ungelesener Bücher. Und ich meine nicht so einen Regalboden, der einsam, an einer Wand befestigt, sein Dasein fristet. Nein, ich meine so eines, das vom Boden bis unter die Decke geht …
Pssst … ich glaube, sie ist ein bissel süchtig ?.

Nebenbei ist Nicole auch noch ein großer Fantasy-Fan, was sie zur absolut perfekten Testleserin für mein Urban-Fantasy-Geschreibsel machte. Nein, Moment … eine Sache fällt mir noch ein, die sie noch perfekter für den Job als Testleser macht! Nicole ist absolut ehrlich und schmiert einem keinen Honig ums Maul – wie gesagt, sie ist als Testleserin einfach nur perfekt ?.

 

TIPP: Eure Testleser sollten euch absolut ehrliche Kritik geben, was Freunde und Familie nicht immer tun. Wählt eure Testleser mit bedacht!

 

Also fragte ich Nicole, ob sie bereit wäre, mein erstes Kapitel schon einmal vorab zu lesen und mir ganz offen und ehrlich zu sagen, was ihr daran gefällt und was nicht. Besonders wichtig war mir natürlich auch die Frage, ob es Lust auf mehr macht, ob man auch den Rest der Geschichte lesen möchte.

Zu meinem Glück sagte sie sofort ja. Doch bevor ich ihr das Kapitel zuschickte, verlor ich mich in der Überarbeitung von selbigem. Ich überarbeitete es immer und immer wieder, bis ich es schließlich selbst ziemlich perfekt fand. Jeden Satz und jedes Wort. Immerhin wollte ich wissen, wie der „fertige“ Text ankommt. Doch im Nachhinein betrachtet, habe ich viel Zeit in die „Perfektionierung“ von Abschnitten gesteckt, die ich später noch einmal vollkommen anders in die Geschichte eingebracht habe. Sei es aufgrund von konstruktiver Kritik oder weil sich die Geschichte während des Schreibens verändert hat.

Nun hatte ich Nicole also mein überarbeitetes erstes Kapitel zum Probelesen zugeschickt. Ich war schrecklich aufgeregt und konnte ihre Antwort kaum abwarten. Kurz darauf hatte ich eine neue Mail im Postfach. Sie war von Nicole.
Angespannt öffnete ich ihre Nachricht und traute meinen Augen nicht. Ich las ihre Worte immer und immer wieder, und ich konnte kaum glauben, was sie geschrieben hatte. Sie fand das Kapitel spannend und hatte Lust auf mehr ?. Und ich wiederhole, dass Nicole es offen sagt, wenn ihr etwas nicht gefällt!

Doch sie hatte nicht nur Lob für mein erstes Kapitel von „Zwischenwelt“ übrig. Das wäre ja auch zu schön gewesen! Hier und da hatte sie einige Tippfehler markiert und ganz besonders wichtig war ihr Hinweis, dass man eine wichtige Wendung – DAS wichtige Ereignis – als Leser nur schwer erfassen und nachvollziehen konnte. Diese Art von ehrlicher Kritik ist unfassbar wichtig, vor allem für werdende Autoren wie mich, die noch wenig Erfahrung haben.

In meinem Kopf war die Geschichte von vorn bis hinten klar. Für mich war natürlich vollkommen logisch, was in dem Abschnitt der Geschichte passierte, den Nicole nicht gut nachvollziehen konnte. Ich wusste was geschah und wieso es geschah – all das war in meinem Kopf ganz selbstverständlich, aber offensichtlich hatte ich meine Gedanken nicht ausreichend zu Papier gebracht.
Nicole hat mir genau das zum Glück klar gemacht. Also setzte ich mich hin und überarbeitete diesen Abschnitt – DAS Ereignis. Jetzt ist es nicht nur deutlich besser verständlich, sondern noch einmal um einiges spannender geworden.

In dem Moment habe ich allerdings auch gemerkt, dass all die Stunden, die ich bereits in die Überarbeitung dieses Abschnitts gesteckt hatte, völlig für die Katz gewesen waren. Ich habe den Abschnitt ein weiteres Mal umgeschrieben und abgeändert. Alle vorigen Korrekturen waren umsonst und alle Wörter, über die ich so lange nachgedacht hatte, waren wieder gelöscht.

 

TIPP: Steckt nicht mehr Arbeit als nötig in eure erste Version (Draft), sondern schreibt einfach runter, was euch in den Sinn kommt. Verliert nicht den Flow und haltet euch nicht an Dingen wie Tippfehlern oder Wortfindungen auf. Am besten schaltet ihr die Rechtschreibkorrektur aus, und wenn euch mal ein Wort nicht einfällt, umschreibt es einfach. Überarbeitet wird, wenn die erste Version vollständig zu Papier gebracht wurde.
(Legenden besagen, dass einige Autoren sogar mit ausgeschaltetem Bildschirm schreiben, damit sie nicht von Tippfehler etc. abgelenkt werden!) ?

 

Nun war Nicoles Kritik aber noch nicht am Ende. Sie hatte noch etwas Weiteres anzumerken. Ich hatte mit Allem gerechnet, aber nicht damit. Einfach, weil es von mir so unfassbar dämlich war, dass es mir nicht aufgefallen ist ?. Es ging um meine Absätze. Ja, ihr habt richtig gehört, meine Absätze. Natürlich nicht um die an meinen Schuhen, sondern um die Absätze in meinem Text. Vielmehr ging es um die Abwesenheit von Absätzen in meinem Text ?.

Ob ihr es glaubt, oder nicht, doch ich habe tatsächlich so gut wie keine Absätze in mein erstes Kapitel eingefügt. Ich habe einfach alles runtergeschrieben ohne mir auch nur ein mal Gedanken über so etwas wie Absätze zu machen. Nicole schrieb dazu nur:

„Du brauchst mehr Absätze. Lange Texte ohne Absätze sind auch rein optisch abschreckend für den Leser.“

Und damit hat sie natürlich vollkommen recht. Also begann ich, Absätze einzufügen. Wie man das am besten macht, könnt ihr hier wunderbar nachlesen.
Besonders wichtig ist jedoch, dass sich jeder Satz innerhalb eines Absatzes, reibungslos an den nächsten anschließt.

 

TIPP: Innerhalb eines Absatzes sollte jeder Satz logisch an den vorigen anknüpfen.

 

Nun hatte ich also meine erste Kritik zu dem was ich schreibe und wie ich schreibe.
Zum Glück wurde das erste Kapitel von „Zwischenwelt“ für interessant und spannend mit dem Hang zur Ausbaufähigkeit befunden (?), also habe ich mich entschieden, weiter zu machen.
Ich schrieb und schrieb, und mein Text wurde länger und länger, doch schon bald nervte mich eine Sache ganz gewaltig. Was genau das war, werde ich euch in meinem nächsten Beitrag erläutern ?.

 

Blogpost Ende und bis bald! ✌

 

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4 comments

  1. Otterfly says:

    Finde ich super, dass du eine ehrliche und kompetente Testleserin gefunden hast. Bei mir sieht das ähnlich aus, mein bester Freund schreibt auch und ihm fallen viele Dinge auf, die ich einfach nicht mehr sehe.

    Und Nicole hat natürlich Recht! Absätze sind superwichtig, nicht nur, weil sie das Lesen erleichtern, sondern weil sie auch viel zum Spannungsaufbau beitragen. Ein Satz, der ganz alleine in einem Absatz steht, gewinnt gleich viel mehr Bedeutung, als wenn er hinten in einem Paragraphen untergeht. Je früher man die Absätze direkt mit ins Schreiben integriert, umso besser, finde ich^^

    Mich interessiert jetzt, wie weit du schon bist. auch wenn du das bestimmt schon irgendwann mal geschrieben hast.

    • Jill Noll says:

      Hi Otterfly,

      ich finde es so schade, dass man den Leuten sagt, dass sie unbedingt ehrlich sein sollen und dann sind sie es dennoch nicht. Nur ehrliche Kritik hilft einem weiter.

      Umso schöner, dass wir beide jemanden haben, der ehrliche Kritik äußern kann! 🙂

      Bei den Absätzen bin ich immer noch regelmäßig am Zögern, welchen Satz ich noch mit reinnehmen soll, oder schon in den nächsten Absatz schieben soll. Je nachdem baut man ja auch eine abweichende Spannung auf:)

      Ja, irgendwo habe ich das schon geschrieben 😉 Aber ich erzähle es natürlich gern noch mal 🙂 Die Story ist einmal von vorn bis hinten durchgeschrieben und derzeit bin ich bei der inhaltlichen Überarbeitung. Da habe ich jetzt etwa die Hälfte geschafft – dann geht es noch an mehrere Freunde, und an zwei Freunde, die sehr gut im Korrekturlesen sind. Dann wird wieder überarbeitet… mal sehen, ob ich es irgendwann für fertig befinde 😀

      Liebe Grüße
      Jill

  2. Bastian says:

    Den Fehler mit den Absätzen machte ich auch, wurde mir aber erst nach der Veröffentlichung bewusst.

    Ein Kapitel schreibe ich meistens komplett runter, also in ein bis drei Tagen. Inhaltlich wird fast nichts mehr verändert, nur noch Details verbessert und am Ende die Konsistenz erhöht, indem ich Informationen hinzufüge, die für das Ende wichtig sein könnten. Da die ersten und letzten Kapitel meist in einer engen Beziehung stehen, sollte man das auch tun.

    Wenn du noch einen kritischen *hust* Testleser brauchst und dein Kapitel keine 100 Seiten hat, nur her damit. 😀

    • Jill Noll says:

      Hey Bastian 🙂

      Ich bin sehr froh, dass ich auf die Sache mit den Absätzen aufmerksam gemacht wurde. Ob mir das jemals selbst aufgefallen wäre… ich weiß es nicht 😀

      Genau, das Grundgerüst der Story ist auch bei mir bestehen geblieben, aber dennoch wurde Sätze umgeschrieben etc und die ganze Überarbeitung war für die Katz. Man muss sich echt zusammenreißen und Tippfehler etc erst gaaaaanz zum Schluss korrigieren. Auch, wenn man es eigentlich nicht ertragen kann 😀

      Haha, ich bin mir sicher, dass deine Kritik absolut ehrlich sein wird *zurückhust*
      Und da ich dein erstes Kapitel ja auch schon lesen durfte, werde ich dir meines demnächst gern mal zukommen lassen – auch, wenn ich ein wenig Angst vor deinem Urteil habe 😉

      Liebe Grüße!
      Jill

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