Notizen und Plotten
Jill Noll Autorin: Wie aus Notizen ein Buch entsteht.

#4 Der richtige Weg ein Buch zu schreiben

In meinem vorigen Blogpost habe ich euch berichtet, was mir dabei geholfen hat, die verschiedenen Ideen für mein Buch sinnvoll miteinander zu verknüpfen. In diesem Beitrag möchte ich euch nun erzählen, wie man vorgehen kann, um die Handlung einer Geschichte zu entwickeln oder voranzutreiben.

 

Am Anfang einer Geschichte steht eine Idee. Schnell gesellen sich weitere Ideen hinzu. Die Ideen werden zu Notizen und die Notizen entwickeln sich zu Elementen, die für die Geschichte von unterschiedlicher Wichtigkeit sind. Die einzelnen Elemente (bei mir: eine wütende Frau, Zombie-ähnliche Körper, ein unheilvolles Feuer, eine zweite, düstere Welt) müssen in einen Zusammenhang gebracht werden.

Ihr solltet Fragen klären wie „Was treibt den Protagonisten/Antagonisten an?“, „In welcher Beziehung stehen Protagonist und Antagonist zueinander?“, „inwiefern beeinflusst DAS EREIGNIS das Leben des Protagonisten?“, etc. Habt ihr alle, oder zumindest die wichtigsten Elemente eurer Geschichte gefunden und in Beziehung setzen können, dann geht es ans Schreiben. Naja, zumindest seid ihr nicht mehr ganz so weit vom Schreiben entfernt wie noch zuvor ?.

Denn es ist empfehlenswert, sich zunächst einmal Gedanken über die Abfolge der Handlung zu machen. Wann passiert was? Welches Element taucht wann in der Geschichte auf? Und welche Folgen bringt ein Ereignis mit sich? Noch bevor ihr den ersten Satz deiner Geschichte zu Papier bringt, solltet ihr alles in eine sinnvolle und logische Reihenfolge, in einen Ablauf bringen – ihr solltet einen Plot kreieren.

 

INFO: Der Plot ist die chronologische Aneinanderreihung von verschiedenen Ereignissen einer Geschichte.

 

Bevor ich mit dem Schreiben von »Zwischenwelt« anfing, habe ich mir zunächst eine Datei erstellt, die ich „Story Book“ nannte. Hier habe ich einzelnen Szenen, die mir bereits im Kopf herumschwirrten, in eine logische Abfolge gebracht: 1. Vorstellung des Protagonisten, 2. Vorstellung der Protagonistin, 3. Vorstellung der Antagonistin + Angriff der alles ins Rollen bringt, 4. Switch zu Protagonistin + Flucht vor „Zombies“ … (mehr verrate ich hier jetzt erstmal nicht ?).

 

TIPP: Legt euch eine Datei an, die euch hilft, den roten Faden eurer Geschichte nicht aus den Augen zu verlieren.

 

Das Ende meiner Geschichte hatte ich bereits im Kopf, jedoch gab es noch immer Lücken, die geschlossen werden mussten. Dennoch fing ich an zu schreiben, denn meinen Plot hatte ich ja bereits. Während des Schreibens kam mir allerdings eine viel bessere Idee, wie ich das Ende noch dramatischer und aufregender gestalten könnte, also änderte ich meinen Plot ein wenig ab und baute auch mitten im Plot noch ein paar Elemente um.

 

TIPP: Der Plot ist ein roter Faden, der jedoch nicht in Stein gemeißelt ist und abgeändert werden kann, wann immer es euch beliebt.

 

Mittlerweile weiß ich, dass es von großem Vorteil ist, schon früh zu wissen, worauf alles hinauslaufen wird. Und zwar möglichst nicht nur grob, sondern schon ziemlich genau. So könnt ihr bereits zu Beginn der Geschichte und in ihrem gesamten Verlauf Hinweise und kleine Fragen einwerfen, die sich für den Leser erst später aufklären.

Dieses ist, wie man sich gut vorstellen kann, besonders bei Büchern wie Sherlock Holmes sehr wichtig. Hier soll der Leser mit dem weltberühmten Detektiv auf Verbrecherjagd gehen und gemeinsam mit ihm Hinweise finden und alle Puzzleteile langsam zusammenfügen. Der Autor muss hier natürlich von Anfang an wissen, was der Schurke sich Fantastisches ausgedacht hat, um den Helden (und den Leser) bei seinen Ermittlungen möglichst an den Rand der Verzweiflung zu treiben.

Das geht natürlich bei allen Romanen, in denen es einen Bösewicht gibt, den es zu besiegen gilt.

 

TIPP: Wenn du von Anfang an weißt, wer der Bösewicht ist und was seine Beweggründe sind, kannst du immer wieder kleine Hinweise oder Rätsel in die Geschichte einbringen, welche die Spannung steigen.

 

Letztendlich bleibt natürlich jedem selbst überlassen, wie gut er seine Story plant und wie viel er schon vorab weiß. Ihr solltet hier schlichtweg testen, wie euch das Schreiben am leichtesten fällt. Unterschieden wird zwischen drei Schreibtypen:

 

1. Der Planer (Outliner / planendes Schreiben)

Dieses, laut meinen Recherchen eher seltene Exemplar eines Schriftstellers, weiß ganz genau, wie die Story ablaufen wird, und hält meist ohne Wenn und Aber an seinem Plot fest. Für die von ihm erschaffenen Charaktere gibt es kein Entkommen. Sie sind ohne jeden Ausweg an ihr Schicksal gebunden.
Das habe ich natürlich bewusst ein wenig überspitzt dargestellt, aber im Grunde kann man es so beschreiben, da die Geschichte der Planer einfach ordentlich durchgeplant ist. Diese Autoren planen im Vorfeld meist auch die Charaktere sehr ausführlich. Sie führen Interviews mit ihnen um sie besser kennen zu lernen und/oder verfassen eine mehrseitige Psychoanalyse.

 

2. Der EDLS (Einfach-drauf-los-Schreiber) (Discovery-Writer / entdeckendes Schreiben)

Der EDLS hat eine Idee, vielleicht sogar nur einen kurzen, flüchtigen Gedanken, und beginnt einfach drauf loszuschreiben. Er lässt sich vollkommen von der Geschichte und den Charakteren treiben, ohne wirklich zu wissen wo die Reise hingehen und was alles auf dem Weg passieren wird. Stephen King ist einer dieser Autoren. Er wirft seine Charaktere schlichtweg in eine beliebige Situation und guckt einfach mal, was passiert.
So zu schreiben ist spannend! Der Autor weiß selbst nicht, wo die Reise hingeht. Er erlebt die Geschichte beinahe so wie die späteren Leser, darf aber zudem ständig spannende Entscheidungen treffen.
Diese Art des Schreibens birgt jedoch einige Probleme und Risiken. Es besteht die Gefahr, dass die Geschichte nicht funktioniert, und möglicherweise fällt es dem Autor erst auf, nachdem er bereits viel Zeit investiert und viele Seiten geschrieben hat. Doch dann schreibt er sich fest und nichts geht mehr. Entweder muss dann ein enormer Aufwand betrieben werden, um alles umzuschreiben, damit es doch noch funktioniert, oder aber die Geschichte wird komplett abgebrochen und wandert in den Müll. In jedem Fall muss der EDLS deutlich mehr Zeit für das Überarbeiten investieren, als der Planer.

 

3. Der EWVBT (ein-wenig-von-beidem-Typ)

Das trifft auf mich und wohl auch die meisten anderen Autoren zu (dieses Wort zu schreiben, fiel mir gerade echt schwer, da ich mich nun wirklich noch nicht als Autor bezeichnen kann … aber ihr wisst schon, was ich meine ?). Der EWVBT kennt den groben Ablauf der Handlung, er hat also einen Plot. Einige Dinge stehen fest, andere Dinge möchte er bewusst einfach auf sich zukommen lassen. Dann beginnt er zu schreiben, und zwar so, wie sein Plot es vorsieht. Doch auf einmal stehen seine Charaktere vor Aufgaben, die selbst er als Autor und Erschaffer dieser Welt, nicht vorhergesehen hat. Er lässt sich von den unvorhergesehen Ereignissen treiben und ist selbst gespannt, wo die Reise hingeht. Da er aber einen Plot kreiert hat, weiß er, in welche Richtung er die Geschichte früher oder später wieder lenken muss, um zurück zu dem zu kommen, was er für die Handlung geplant hat. Manchmal führt dieses Treibenlassen auch dazu, dass der Plot abgeändert werden muss, was aber nicht schlimm ist, denn der Plot des EWVBT ist nicht in Stein gemeißelt, sondern gibt nur eine grobe Richtung vor.

 

TIPP: Plant und schreibt so, wie es sich für euch richtig anfühlt. Zwingt euch keine Taktiken auf, die euch nur daran hindern, so zu arbeiten, wie es euch am besten liegt. Hier gibt es kein richtig oder falsch, nur Dinge, auf die jeder achten sollte, damit sie einem nicht das Genick brechen.

 

Wie bereits weiter oben erwähnt, hatte ich einen Plan, wo die Reise hingehen sollte und wie die Reise ablaufen würde. Ich war also ein Planer. Als meine Charaktere dann auf einmal Dinge taten, die absolut nicht vorgesehen waren, war ich selbst vollkommen überrascht, ließ es aber einfach geschehen. Und zwar nicht nur einmal, sondern immer und immer wieder. Zum Teil sind so ganze Nebenhandlungsstränge entstanden, die nicht geplant waren.

Dieses Eigenleben, welches meine Geschichte beim Schreiben entwickelt hat, hätte ich nie für möglich gehalten. Aber ich fand es großartig! Immer wieder wurde ich so vom Autor zum Leser. Ich war stetig gespannt darauf, was als Nächstes passieren würde, weil ich es schlichtweg selbst nicht wusste! So entdeckte ich also während des Schreibens den EDLS in mir.

Ich hatte also einen Plan, auf den ich immer wieder zurückkommen konnte. Wenn meine Charaktere jedoch zwischen meinen geplanten Szenen auf einmal noch irgendetwas anderes tun wollten, habe ich sie einfach machen lassen. Solange sich diese EDLS-Szenen gut in die Geschichte einfügen und den Leser nicht langweilen, sind sie mir immer herzlich willkommen ?.

Mein Plot gibt mir allerdings die Sicherheit, nicht mein eigentliches Ziel aus den Augen zu verlieren. Außerdem benötige ich persönlich den Plot, um mir vorab darüber klar zu werden, wie verschiedene Elemente des Buchs miteinander in Zusammenhang stehen und sich gegenseitig beeinflussen. Wenn ich nicht schon von Beginn an gewusst hätte, was beispielsweise die Körper in meinem Buch für eine Aufgabe haben, hätte ich sie womöglich zu Beginn tatsächlich als Zombies dargestellt. Doch jetzt erfüllen die Körper eine ganz bestimmte Aufgabe, die ich ihnen dann nicht mehr hätte geben können. Oder aber, ich hätte alle meine anfänglichen Szenen umschreiben müssen, um sie doch noch so in die Geschichte einzubinden, wie ich es nun gleich von Anfang an getan habe.

Fazit: Es gibt nicht DEN richtigen Weg ein Buch zu schreiben. Ich bin ein EWVBT, und ich stehe dazu ?!

Welcher Schreibtyp seid ihr? Habt ihr bereits gute oder schlechte Erfahrungen beim Schreiben gesammelt? Erzählt es mir!

In meinem nächsten Beitrag werde ich euch eine Methode vorstellen, die sich hervorragend zum Plotten eignet – die Schneeflockenmethode. Die Planer unter euch dürfen also gespannt sein!

Blogpost Ende und bis bald! ✌

 

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4 comments

  1. Sissi says:

    Ich glaube ich bin der EWVBT Typ. Ich bin grade dabei meine Charaktere und auch die Welt zu erstellen. Ich versuche mich an einer Dystopie (bin mir gerade nicht sicher wies geschrieben wird). Ich versuche erstmal die „Regeln“ auf zu stellen warum die Welt da so ist wie sie ist. Story mäßig plane ich eher weniger.
    Freue mich schon darauf zu erfahren welche Methode du uns zum Plotten zeigst und verallem, wie du sie beschreibst.
    Deine Blogs sind echt hilfreich 🙂

    • Jill Noll says:

      Vielen Dank liebe Sissi, ich geb mir Mühe 🙂

      Ich denke, dass vermutlich die meisten der EWVBT Typ sind.
      Die Regeln der Welt vorab festzulegen ist eine gute Idee! Sonst könnte es später zu großen Problemen kommen.
      Dystpien sind ja derzeit sehr angesagt! Berichte mal, wie es läuft! Ich bin gespannt! 🙂 Ist es deine erste Geschichte?

  2. Martin says:

    Ich denke gerade das logische in Reihe bringen von vielen Ideen, Szenen und Momente ist eines der großen Herausforderungen eines Autors. Ideen hat man schnell, aber diese zu verknüpfen ist die große Herausforderung. Toller Artikel liebe Jill!!!

    Liebe Grüße,
    Martin
    look-scout.de

    • Jill Noll says:

      Danke Martin 🙂

      Da hast du recht!
      Man sollte unbedingt genügen Zeit investieren um alles logisch miteinander verbinden zu können, sonst merkt man eventuell irgendwann, dass es leider nicht funktioniert.

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