Welcher Weg ist wirklich der richtige?
Jill Noll Autorin: #16 Selbstzweifel eines Autors (Bild-Quelle: Pixabay)

#16 Selbstzweifel eines Autors

In meinem letzten Beitrag habe ich darüber berichtet, wie wichtig der richtige Platz zum Schreiben sein kann. Ich hatte nun herausgefunden, wie ich mich besser auf das Schreiben von „Zwischenwelt“ konzentrieren konnte und gleich ging es besser voran. Doch während ich schrieb, überkamen mich immer mehr Zweifel. In diesem Beitrag geht es darum, was für Zweifel einem Autor kommen können und was er eventuell dagegenhalten kann.

Ich hatte nun also herausgefunden, dass ich mich an meinem Schreibtisch am besten auf mein Ziel konzentrieren konnte – ein Buch schreiben und irgendwann vom Schreiben leben zu können. Ich persönlich brauche einen Platz, an dem ich mich völlig auf mein Buch konzentrieren kann und von nichts abgelenkt werde, und mein Schreibtisch entpuppte sich als mein Retter in der Not.

So schrieb ich also, an meinem neu entdeckten Schreibplatz, fröhlich vor mich hin. Mal kamen mir meine Charaktere in die Quere, aber dennoch blieb ich eifrig dabei, verfolgte den roten Faden, den Plot, den ich mir erstellt hatte.

Doch dann merkte ich auf einmal, dass irgendetwas nicht stimmte. Ich hatte schon mehr als die Hälfte meines Plots runtergeschrieben und gerade mal 120 Taschenbuchseiten geschafft. Dabei hatte ich mir um die 300 Seiten zum Ziel gesetzt. (Als Vorlage, was Seitenformat und Schriftgröße angeht, habe ich mir meine Lieblinge, die Black-Dagger Bücher, zur Hand genommen ? )

Und in dem Moment ging es los: Ich zweifelte an dem, was ich tat.
War ich unfähig, meiner Geschichte genügend Tiefgang zu geben? Hetzte ich nur so durch den Plot, ohne irgendwann einmal zur Ruhe zu kommen und mich der Umgebung und der Atmosphäre meiner Geschichte zu widmen?

 

TROSTPFLASTER: Vermutlich jeder (Autor) zweifelt hin und wieder an sich und an dem, was er tut.

 

Als ich länger darüber nachdachte, stellte ich fest, dass meine Geschichte tatsächlich ein recht hohes Tempo hatte und überlegte, ob ich sie etwas zügeln müsste. Doch ich stellte ebenso fest, dass ich, für meinen Geschmack, ausreichend Ruhepunkte und atmosphärische Momente eingebaut hatte. Und mir wurde klar, dass ich anscheinend so schrieb, weil ich genau diese Art von Büchern selbst gern las. Also kam ich zu dem Schluss: Wenn ich gern diesen Stil lese, muss es auch noch andere geben, die diesen Stil mögen.

 

MOTIVATOR: Glaubt an das, was ihr tut, denn ihr tut es, weil ihr es selbst gut findet. Und wenn ihr es gut findet, wird es auch andere geben, die es gut finden!

 

Aber damit nicht genug, denn manchmal war genau das Gegenteil der Fall. Manchmal war ich selbst total begeistert von meiner Geschichte, sah schon den Blockbuster im Kino vor mir und dachte: alle werden es lieben!
Doch darauf folgten wiederum Tage, an denen ich an der gesamten Geschichte zweifelte. An diesen Tagen war ich mir sicher, dass sich niemals jemand für mein Buch interessieren und es in den virtuellen Regalen des Internets verstauben wird.

Und mein Schreibstil … oh mein Gott, mein Schreibstil ( ? ). Wird er den Leuten gefallen? Schreibe ich zu langweilig? Schreibe ich zu wenig malerisch?
Ja, als malerisch kann man meinen Stil vermutlich nicht beschreiben. Eher so, als dass ich das Geschehen recht zügig auf den Punkt bringe, ohne lange drum herum zu schwafeln. Aber wird das den Leuten gefallen?

Doch dann habe ich mir klar gemacht, dass ein Buch niemals jedem gefällt. Es wird immer Leute geben, die eine Geschichte nicht mögen und genauso wird es auch immer Leute geben, die sie gern lesen.

 

TIPP: Euer Buch wird nicht jedem gefallen, aber das macht nichts und ist sowieso nicht zu änden.

 

Lasst euch nicht entmutigen und macht euch klar, dass ihr es nieeeeeemals allen recht machen könnt. Genau so, wie einige lieber Schokolade und andere lieber Chips essen, ist es auch bei Büchern. Einige lesen lieber Fantasy, andere lieber Krimis.

Am allerwichtigsten ist, dass euch das Schreiben Spaß macht. Denn das sollte der Hauptgrund sein, weshalb ihr euch entscheidet, ein Buch zu schreiben.
Und selbst wenn euer Buch wirklich richtig floppen sollte, nutzt dieses Debakel als Chance!

Erkundigt euch, was den Leuten an eurem Buch nicht gefallen hat und nutzt die Kritik, um es beim nächsten Mal besser zu machen. Schreiben kann man nur lernen, indem man schreibt. Aller Anfang ist schwer und je mehr ihr schreibt, umso besser werdet ihr.

 

TIPP: Nur durchs Schreiben lernt ihr, zu schreiben.

 

Ich kann nur abschließend sagen, dass ich weiter gemacht habe, und von mir selbst überrascht wurde. Was die Seitenanzahl angeht, habe ich z.B. irgendwann festgestellt, dass ich wohl doch gerade so auf die 300 Seiten kommen würde. Am Ende waren es dann sogar um die 330 Taschenbuchseiten. Also gebt bloß niemals vorzeitig auf, sondern zieht euer Ding durch!
In meinem nächsten Beitrag soll es – irgendwie passend zum Thema Selbstzweifel – um die Frage des Genres gehen. Denn die Frage, welchem Genre „Zwischenwelt“ angehört, konnte ich lange Zeit nicht beantworten. Ein paar der Genres, die für mein Buch in Frage kommen könnten, möchte ich euch beim nächsten Mal genauer vorstellen.

 

Haben euch als Autor schon einmal Selbstzweifel geplagt? Wie seid ihr damit umgegangen und wie habt ihr sie überwunden?

Blogpost Ende und bis bald! ✌

 

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10 comments

  1. Claudia says:

    Selbstzweifel sind Hemmnis und Triebfeder zugleich. Wenn man sie wie du rational entkräftigen kann und sich durch sie nicht vom Schreiben abhalten lässt, sind sie es schließlich, die einen zur kritischen Überarbeitung bringen. Daher sind die Bücher der Selbstzweifler tendenziell besser als die selbsternannter Genies.

  2. Hallöchen liebe Jill,

    ich kenne Selbstzweifel nur zu gut, ich habe die leider ziemlich oft. Noch dazu bin ich eine kleine Perfektionistin, was noch erschwerend hinzu kommt. Dein Artikel hat mir allerdings ziemlich viel Mut gemacht 🙂 Du hast Recht, das eigene Buch wird nie allen gefallen. Und trotzdem gibt es Leute, die es gerne lesen werden.

    Ich frage mich auch oft, ob mein Schreibstil zu wenig malerisch ist. Ich bin auch eher der Typ, der es genau auf den Punkt bringt. Freut mich zu hören, dass das bei dir auch der Fall ist. Da fühle ich mich schon weniger allein 🙂

    Ganz liebe Grüße
    Myna
    von http://www.myna-kaltschnee.com

    • Jill Noll says:

      Hi Myna,

      wir schaffen das schon! Und letztlich geht es erst einmal um den Spaß, den man am Schreiben hat ? Aber ich bin mir sicher, dass es für jedes Buch Leser gibt, die es mögen werden!

      Ganz liebe Grüße zurück! ?
      Jill

  3. Adam Bogs says:

    Hallo Jill.
    Danke für diesen tollen Beitrag. Bei dem hab ich mich sofort nicht mehr so alleine gefüllt. Ich habe oft solche Phasen, in denen ich meine Storys am liebsten komplett löschen würde. Zum Glück hab ich es bisher nicht gemacht. Auch ich bleibe dran und gebe nicht auf.
    Schön das es mit deinem Debütroman geklappt hat. Ich hoffe das es mit meinem ebenfalls noch dieses Jahr klappt. Mal schauen 😉 Danke nochmals für den Beitrag – ich weiss nicht einmal wie ich auf Deine Seite gekommen bin. Aber ich bin froh das es passiert ist.

    LG Adam

    • Jill Noll says:

      Hey Adam,

      ich freu mich sehr, dass du versehentlich hier gelandet bist und es dir auch noch gefällt! 🙂

      Bloß nie etwas wegschmeißen / löschen! 😉

      Ich drücke die Daumen, dass auch du trotz aller möglichen Zweifel dein Debüt noch dieses Jahr abschließen kannst! Wir müssen einfach an uns glauben, dann können wir alles schaffen 🙂

      Ganz liebe Grüße
      Jill

  4. Melanie says:

    Hallo du,
    ich habe deinen Blog gerade über Bookrix entdeckt und folge ich gleich mal.
    Dieser Artikel ist mir besonders ins Auge gesprungen, denn ich habe momentan größere Zweifel denn je.
    Ich weiß auch nicht genau, woran es liegt, aber momentan befindet sich in meinem Kopf ein riesiges Schild mit den Worten „Gib doch einfach auf, dass bringt doch eh nichts.“ ..
    Ich hatte über eine Facebookgruppe eine Autorin an meiner Seite, die bislang ein Buch veröffentlich hat. Ich hatte ihr etwas zum Lesen von mir gegeben. Erst fand sie es total langweilig und bat mich, es auszuschmücken. Genau, das habe ich getan und nun fand sie erst recht zu langweilig, weil es ihrer Meinung nach zu ausgeschmückt war. Sie änderte eines meiner Kapitel schließlich so, dass ich das Gefühl bekam, es wäre ihre Story. Ihr Schreibstil, ihre Handlungen, ihr Werk.
    Seit Mitte Oktober herrscht dort nun allgemein Stille und jedesmal, wenn ich sie frage, wie die Zusammenarbeit, denn weiterhin aussehen soll, hat sie entweder Migräne, steckt total im Stress oder ist total ausgelaugt, dass sie nicht mal mehr einen Satz lesen könnte/schaffen würde.
    Vielleicht liegt meine Demotivation gerade daran, denn irgendwie gibt sie mir das Gefühl, dass ich es ja doch zu nichts schaffen werden bzw. dass sie gar nicht erst mit mir zusammen arbeiten möchte.

    Dein Beitrag hat mir ein wenig geholfen und du hast ja Recht. Im erster Linie schreibt man für sich selbst. Natürlich sind die Meinungen anderer, gerade in dem Umfeld sehr wichtig, aber im Grunde schreibt man für sich selbst.
    Es macht mir nach wie vor sehr viel Spaß und ich möchte diesen Traum auch keinesfalls aufgeben, aber….
    … momentan habe ich das Gefühl, in einem kleinen, schwarzen Loch, von imaginären Monstern gefangen zu werden, die immer wieder rufen.. „Gib auf.. gib doch einfach auf.“,

    Sorry, dass ich dich jetzt hier so vollgeheult habe. Meine Finger haben sich verselbstständigt.
    Jedenfalls werde ich mir jetzt noch die anderen Beiträge durchlesen und den einen oder anderen Senf dazu abgeben.
    Liebe Grüße und einen schönen Mittwoch – Abend,
    Melanie

    • Jill Noll says:

      Liebe Melanie,
      das klingt gar nicht gut, was du da erzählst. Ich kann deine Zweifel verstehen, vor allem, da sie ja durch die Meinung dieser anderen Autorin, die dir erst helfen wollte und sich nun völlig zurückzieht, quasi untermauert werden.
      Aber ich erzähl jetzt mal eine eigene Anekdote. Kennst du das Projekt AuthorWing? Als dieses Projekt ins Leben gerufen wurde, hat eine werdende Autorin bei mir angefragt, ob ich nicht ihr Wing werden möchte. Natürlich fühlte ich mich geschmeichelt, aber ich habe abgelehnt. Denn zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nicht einmal mein erstes Buch veröffentlicht. Zwar ist mein Debut jetzt draußen, dennoch würde ich auch jetzt eine solche Anfrage ablehnen. Denn nur, weil man ein einzigen Buch geschrieben und veröffentlicht hat, ist man noch lange nicht reif genug dafür, die Texte anderer wirklich kritisieren zu können. Zumindest nicht in dem Ausmaß, in dem deine Helferin es getan hat.

      Ich denke, du solltest vor allem eines tun: Erstmal deinen Text so weiter schreiben, wie du dich damit wohl fühlst. Und ein erster Entwurf kann auch mal nicht so toll sein. Hauptsache, die Geschichte ist zu Papier gebracht. Anschließend würde ich an deiner Stelle mehrere Leute über deinen Text lesen lassen. Nicht nur eine einzige Person. Wenn mehrere Personen dieselbe Sache kritisieren, dann solltest du dir darüber Gedanken machen. Aber eine einzelne Person hat auch immer einen eigenen Geschmack. Das muss man lernen zu unterscheiden.
      Und wenn du etwas richtig Gutes aus deinem Text machen möchtest, solltest du dich sowieso am Besten nach einem professionellen Lektorat umsehen.

      Bitte bitte schreib weiter und lass dich nicht von so etwas entmutigen. Jeder Autor, den du fragst, wird dir sagen, dass seine ersten Texte weniger gut waren, als die aktuellen Texte. Man lernt mit der Zeit von allein dazu.
      Wichtig ist, dass dir das Schreiben Spaß macht – alles andere ist erst einmal Nebensache.

      Ganz liebe Grüße

      Jill

      • Melanie says:

        Hallo Jill,

        vielen Dank für deine schnelle und auch ausführliche Antwort. 🙂
        Soll ich dir mal was sagen? Diese Autorin habe ich über Authorwing kennengelernt. Sie hatte mich in der Facebook – Gruppe nach einer Zusammenarbeit gefragt und blind wie ich war, dachte ich „yeah.. ich bin dabei..“,
        Ein paar Tage, nachdem wir unsere Zusammenarbeit beschlossen hatte, hat sie sich mit Alice, der Gründerin, irgendwie überworfen.
        Die Gründe kenne ich nicht und im Grunde gehen die mich auch nichts an.
        Wir hatten dann bei einem Gespräch beschlossen, die Zusammenarbeit trotzdem fortzuführen, weil es ja eben darum ging, dass sie mir ein wenig unter die Arm greift und ich kann ja nichts dafür, dass sie ein paar Meinungsverschiedenheiten mit Alice hat.
        Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass es .. wie soll ich es ausdrücken, dass es nicht mehr von Interesse ist, seitdem sie aus dieser Gruppe ausgestiegen ist. Ich will ihr nichts unterstellen, aber das ist nun mal mein Gefühl. Wirklich richtig auf etwas reagieren tut sie ja derzeit nicht.
        Ich hab bereits darüber nachgedacht, in der Gruppe nach einem weiteren wing zu fragen, aber irgendwie… trau ich mich nicht. *murmel*

        Ich habe eine der Storys, die die ich aufhübschen sollte, schon zwei Freundinnen zum lesen gegeben und die fanden sie toll.
        Weiss auch nicht, wo dieses Tief gerade wieder herkommt.
        Aber vielen, vielen lieben Dank für deine liebe worte. Ich werde sie mir auf jeden Fall zu Herzen nehmen. ♥

        Liebe Grüße
        Melanie

        • Jill Noll says:

          Hey 🙂

          Ich habe mir schon fast gedacht, dass es sich um AuthorWing handelt – was ja eigentlich ein wirklich großartiges Projekt ist. Schade nur, dass es auch schwarze Schafe unter den Helfern gibt. Doch das wird vermutlich immer und überall so sein.
          Also ich würde an deiner Stelle einfach nochmal nach einem Wing suchen. Ich selbst habe auch Kontakt zu Alice und kann mich nicht vorstellen, dass sie es gut heißt, einen „Wing-losen“ und unglücklichen Schreiberling in ihrer Truppe zu haben. Und es ist ja nichts Verwerfliches. Frag einfach mal nach. Sonst ärgerst du dich nur weiterhin 😉

          Ganz liebe Grüße

          Die Jill

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